SF Telgte 3    -    SF Drensteinfurt 1        2,5:5,5

Endlich wieder souverän

Zum Startschuss des sechsten Spieltags fuhren wir dieses Mal durch grobe Schneestürme nach Telgte. Im Fernduell um die vorderen Plätze spielten Indische Dame und Dülmen gegeneinander. Nachdem Indische Dame im letzten Spiel einen Punkt und wir sogar beide Punkte liegengelassen hatten, kam die prompte Kampfansage der Dülmener an beide Mannschaften. Später sollten wir erfahren, dass dies für unsere Tabellensituation eine wesentliche Auswirkung haben sollte. Aber erst einmal zum Mannschaftskampf.

Für diesen Spieltag musste sowohl Joscha als auch Roland absagen und so sprangen dankenswerter Weise Christophe und Heribert ein. Nach meinem ersten Rundgang sah es bereits ganz ordentlich aus. Werner und Christophe sah ich ein wenig unter Druck, gleichzeitig sahen mir die Partien von Bernd und Paul, sowie meine eigene Partie sehr vielversprechend aus. Die übrigen Partien schienen absolut ausgeglichen.

Den Anfang machte dann Werner. Kurz zuvor konnte er sich noch durch einen Abzugsangriff aus einer unangenehmen Lage befreien, da willigten beide Parteien schon in ein Remis ein. Der Abzugsangriff hatte dabei nicht die Idee, Material zu gewinnen, aber Werner konnte so seinen Springer, der am Damenflügel weit zurückgedrängt worden war, wieder entheddern und stand o.k. Somit geht das Remis absolut klar (0,5:0,5).

Als Nächster war Bernd an der Reihe. Bernd stand aus der Eröffnung heraus gut und hätte im frühen Mittelspiel einen Zentrumsbauern wegen eines Abzugsangriffs auf die Dame gewinnen können. Da er dies allerdings nicht genau durchgerechnet hatte, zog er statt dessen seine Dame zurück auf ein weniger angriffslustiges Feld. Damit stand er immer noch besser, aber wirklich etwas Zwingendes hatte er auch nicht. In immer noch besserer Stellung machte auch Bernd Remis (1:1).

Für die erste Führung konnte nun Christophe sorgen. Nach meinem ersten Rundgang sah ich ihn wie gesagt noch unter Bedrängnis, da er einen Rückständigen Bauern auf e3 nur mithilfe des Königs gut abdecken konnte. Beim zweiten Rundgang stand er aber schon sagenhaft. Beide Türme auf der offenen Linie legten  am Damenflügel sowohl den Springer als auch beide Türme des Gegners lahm. Am Königsflügel machte seine Dame gleichzeitig dem gegnerischen König mächtig Stress. Irgendwann ist die Stellung des Gegners komplett zusammengebrochen und erst fiel ein Springer und wenig später die gesamte Stellung (1:2).

Ein letztes Mal für diesen Tag konnte Telgte noch einmal den Ausgleich erzielen. Heribert spielte lange Zeit eine gute Partie. Sein Gegner spielte mit allen Schummeleien, die man sich nur vorstellen konnte. Ein Scheinopfer auf b7 wäre gefolgt gewesen von einem Damenschach mit Figurenrückgewinn. Heribert, der dies im Vorhinein sah, ließ sich da nicht drauf ein und drängte alle Figuren des Gegners schön in die Ecke. Im entscheidenden Moment verpasste er allerdings die Material gewinnende Kombination und das sollte sich rächen. Sein Gegner fiel mit den Schwerfiguren ins gegnerische Lager ein und das kostete auf lange Sicht einen ganzen Turm und schließlich die Partie(2:2).

Als nächstes konnte ich uns erneut in Führung bringen. Eigentlich hätten die Telgter gar nicht ausgleichen dürfen, da ich schon viel eher hätte gewinnen müssen. Mein Gegner hätte durch einen einfachen Abzugsangriff eine Figur verlieren müssen, aber da ich von Beginn an so gut stand, habe ich nur darüber nachgedacht, wie ich meine Stellung noch weiter verbessern könnte und nicht über irgendwelche nebensächlichen Kombinationen (nebenbei wäre es ja eh langweilig, wenn auf so vielen Brettern das entscheidende Motiv ein Abzug gewesen wäre). Dass ich diesen Abzug nicht gesehen habe, ließ meinen Gegner leicht schmunzeln und erst nachdem er seinen König aus der Diagonalen zog, war mir klar wieso...
Naja gut, aus positioneller Sicht war mein alternativer Zug wohl der stärkste und so konnte ich nach und nach Fortschritte machen, bis ich mit einem Läuferopfer und anschließendem Rückgewinn sowie einem Qualitätsopfer, welches er nicht annahm in seine Stellung eindringen konnte und mein Turm auf der siebten Reihe sowie das Läuferpaar die gesamten Verteidigungslinien zum Einsturz brachten (2:3).

Marco spielte eine sehr durchwachsene Partie. Erst war alles verriegelt. Dann gewann er einen Bauern. Später hatte der Gegner einen schönen Angriff mit Springer und Dame gegen den gefesselten Springer und für einen Moment dachte ich, Marco würde eine Figur verlieren. Aber eigentlich lag eine solche Drohung gar nicht vor. Den Mehrbauern verlor Marco allerdings dann trotzdem wieder und man einigte sich hier auf Remis (2,5:3:5).

Für die Vorentscheidung sorgte dann Tilly. Was sein Gegner nicht wissen konnte: ich hatte Tilly am Vortrag verboten, 1.e4 zu spielen. Ich weiß nicht, ob das in irgendeiner Form Einfluss auf Tillys Gegner genommen hat (immerhin haben die beiden schon im Vorjahr mit gleicher Farbverteilung gegeneinander gespielt), aber auf Tillys Spiel auf jeden Fall. Statt alles direkt abzutauschen und rumzumeckern, dass Schach so langweilig sei, hatte er eine schöne Partie mit ordentlich Angriff gegen die auf dem Damenflügel schwach stehenden Figuren seines Gegners. Anschließend machte Tilly einige starke Züge, was er selbst darauf schob, dass ihm das Spiel "ausnahmsweise auch mal wieder Spaß gemacht" habe. Eine Springergabel auf König und Turm führte dann zur direkten Aufgabe seines Gegners (2,5:4,5).

  Um das Ganze dann abzurunden, gewann auch Paul. Zu Beginn sah ich Paul sehr stark stehen. Er hatte im Zentrum weit vorgerückte Bauern und seine Dame kam nach g4 um von dort aus g7 unter Beschuss zu nehmen. Nachdem sein Gegner g6 zog, hatte er einige Löcher in der Stellung. Meiner Meinung nach entschied sich Paul dann aber falsch. Statt weiter gegen den Königsflügel zu spielen, zog er seine Figuren Richtung Damenflügel und provozierte so einen Übergang ins Endspiel. Dieses Endspiel konnte eigentlich nicht gut sein, da Paul einen isolierten Doppelbauern auf c2 und c3 hatte und der Gegner dadurch schöne Angriffsziele hatte. So fand dieser auch wenig später gute Felder für seinen Turm und einen seiner Springer und gewann Bauern am Königsflügel, auf dem Paul sich zuvor dann doch entschied, sein Gegenspiel zu suchen. Anstatt den Sack zuzumachen und einfach seine entfernten Bauern zu schicken, stellte sein Gegner dann aber seinen Turm auf ein schön aussehendes Feld, welches Paul mit einem Läuferzug konterte, der den Turm vollständig einschloss und zu einem Qualitätsgewinn führte. Mit der Mehrqualität drehte sich das Spiel dann sofort. Nachdem Paul drohte die Bauern des Gegners abzugrasen, hatte dieser keine Lust mehr (2,5:5,5).

Alles in allem ein wirklich gelungenes Spiel nach der enttäuschenden Niederlage am vorherigen Spieltag. Und was dem Ganzen die Krone aufsetzt:
Die Dülmener hatten ihre Drohungen wahr gemacht und gegen Indische Dame gewonnen. Dadurch sind wir vorbeigezogen und belegen zum ersten Mal seit langer Zeit den ersten Platz einer Tabelle. Als Sahnebonbon kommt noch dazu, dass wir mit der Indischen Dame und Dülmen Punktgleich sind und uns Senden und Münster mit einem beziehungsweise zwei Punkten weniger dicht auf den Fersen hängen, sodass die Liga zum Ende hin noch einmal richtig spannend wird!
 
Yannic Bröker